Wie Sport dick machen kann

Montag, 13. November 2017

Wie Sport dick machen kann

Sport ist gesund, das weiß jedes Kind. Will man nun ein paar Kilo verlieren, dann gilt Sport noch immer als Fundament für langfristigen Erfolg. Das stimmt aber nicht immer. Auf der Arizona State University haben Forscher des Instituts für Ernährung und Gesundheitsförderung nun herausgefunden, dass sogar das Gegenteil der Fall sein kann: durch Sport kann man sogar zunehmen.

Die Studie

Die Forscher stellten sich die Frage, wie sich regelmäßiger Sport wirklich auf das Gewicht auswirkt. Dafür suchten sie sich 81 Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, die bisher keine Bewegung machten und übergewichtig waren. Drei Monate lang trainierten die Probandinnen jeweils 30 Minuten am Laufband und das drei Mal pro Woche. Ansonsten sollten sie jedoch nichts an ihrem Lebensstil ändern.

Die Forscher meinten zu Beginn der Studie, dass die Frauen mit dem höchsten Körperfettanteil am meisten Gewicht verlieren würden. Diese Annahme beruhte auf früheren Studien, die jedoch einen gravierenden Unterschied hatten: Bestandteil der früheren Studien war auch immer eine Ernährungsumstellung.

Mehr Gewicht trotz Bewegung

Am Ende der Studie staunten die Wissenschaftler nicht schlecht: nicht nur, dass die Teilnehmerinnen viel weniger abgenommen hatten, als ursprünglich erwartet, 55 Frauen hatten sogar Körperfett zugelegt. Ursachenforschung war angesagt. Wie sich herausstellte, führte das Training grundsätzlich zu einer Verringerung des Körperfettanteils, insgesamt war die Entwicklung des Gewichts aber individuell verschieden. Der Grund war, dass die Probandinnen an Trainingstagen mehr aßen. Sie belohnten sich also für die Strapazen, überschätzten jedoch, wie viele Kalorien sie durch das Training verbrannt hatten. So aßen sie an Trainingstagen einfach zu viel und wenn man mehr isst, als der Körper verbraucht, tja, nimmt man zu.

Essen als Belohnung — macht dick seit der Entstehung des Menschen

Die Zunahme an Körperfett hat nun natürlich nicht direkt mit dem Training zu tun. Bei Menschen, die nach langer Sportabstinenz mit einem regelmäßigen Training beginnen, zeigt sich oft kompensatives Verhalten. Die Frauen hatten durch das Training und die damit einhergehende körperliche Anstrengung das Gefühl, sich belohnen zu dürfen. Also naschten sie hier ein wenig mehr Schokolade, tranken dort ein Glas mehr Limonade. So führten sie ihrem Körper zusätzliche Kalorien in einem Ausmaß zu, dass den Kalorienverbrauch durch Sport überstieg. Sie nahmen zu.

Auf die Energiebilanz kommt es an

Es gibt sehr viele Menschen, die übergewichtig sind und dagegen etwas tun wollen. Also gehen sie regelmäßig ins Fitnessstudio oder setzen sich auf den Heimtrainer. Trotzdem nehmen sie nicht ab. Der Grund dafür liegt oft in einer falschen Annahme. Nur, weil man Sport macht, muss man nichts abnehmen. Es kommt auf die Energiebilanz an. Der Körper knabbert erst an den gespeicherten Fettreserven, wenn er zu wenig Kalorien bekommt. Es geht beim Abnehmen also nicht so sehr um die Menge an Bewegung, die man macht, sondern um die Menge an Kalorien, die man konsumiert. Ist die Energiebilanz negativ und der Körper greift auf die eigenen Fettreserven zurück, purzeln die Kilos nur so, sobald man auch noch Sport macht. Dann wirkt die Bewegung wie ein Turbo.

Man kann aber Sport machen, bis man umfällt, ist die Energiebilanz am Ende des Tages nicht negativ, wird man kein Gramm Gewicht verlieren.

Energiebilanz gegen den Jojo-Effekt

Wenn wir unser Wunschgewicht einmal erreicht haben, ist es auch einfacher, es zu halten, konzentrieren wir uns auf die Energiebilanz. Der Jojo-Effekt kann sich nicht einstellen, wenn wir keine überschüssigen Kalorien zu uns nehmen. Selbst, wenn wir wieder mit dem Sport aufhören. (Das empfehlen wir jedoch nicht, denn Sport bietet einfach zu viele gesundheitliche Vorteile.)

Langfristig am erfolgreichsten sind die Menschen, die auf ihre Kalorienbilanz achten und ihren Lebensstil umstellen. Diese brauchen sich nämlich nicht mehr zu belohnen, wenn sie sich sportlich betätigen. Sie haben aber auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie sich einmal ein Stück Kuchen gönnen, weil sie es nicht regelmäßig tun. Das steigert den Genuss und die Motivation.

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